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Frage zum Thread: KI und Bewusstsein - Seite 2
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TomS
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Anmeldungsdatum: 20.03.2009
Beiträge: 21468

Beitrag TomS Verfasst am: 09. Okt 2024 17:34    Titel: Antworten mit Zitat

Denkender hat Folgendes geschrieben:
Da es dir nicht ganz so schleierhaft ist: Wie kann dann in einer Simulation virtuelle Materie entstehen?

Wozu benötige ich virtuelle Materie? Ich benötige identische Funktionen, also Input/Output und Daten.

Denkender hat Folgendes geschrieben:
Die Frage ist schwierig zu beantworten....kann gut sein, dass es bei Bewusstsein bleibt. Hier klonen wir ja so gesehen ein echtes Neuron und setzen das künstliche in das Netz der echten ein bzw. substituieren ein echtes durch einen geklontes.

Bzgl. Funktionen, Input/Output und Daten sind wir uns einig.

Aber welche Rolle spielt denn nun Form und Substanz der KNs? Stört es dich, dass das NN in Python programmiert ist? Soll es direkt im Chipdesign implementiert sein?

Denkender hat Folgendes geschrieben:
Aber darum ging es mir ja eigentlich weniger. Mir ging es eher um aktuelle KNN, die ja so gesehen nur mathematische Modelle sind, die auf herkömmlicher Hardware implementiert werden. Da sind schon Unerschiede zu dem von dir genannten Beispiel.

Insbs. bzgl. Form und Substanz.

Ok, gehen wir mit meinem Ersetzungsprozess weiter und überführen wir anschließend das NN auf Basis der KNs sukzessive in NVIDIA GPUs. Dann stellen sich die selben Fragen.

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Niels Bohr brainwashed a whole generation of theorists into thinking that the job (interpreting quantum theory) was done 50 years ago.
TomS
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Anmeldungsdatum: 20.03.2009
Beiträge: 21468

Beitrag TomS Verfasst am: 09. Okt 2024 17:51    Titel: Antworten mit Zitat

Denkender hat Folgendes geschrieben:
Zitat:
Das ist – unter der Voraussetzung, dass das Gehirn einer Turing-Maschine entspricht – ein starkes Argument dafür, dass beliebige andere Systeme mit derselben Funktionalität ebenfalls Bewusstsein entwickeln, und dass das vollständige Verständnis von Bewusstsein dem Bewusstsein ggf. unzugänglich ist.


Warum?

Wenn das Gehirn einer Turingmaschine entspricht, jedoch andere Turingmaschinen prinzipiell kein Bewusstsein entwickeln können, welche Funktionalität im Gehirn außer der Turingmaschine ist dann relevant für Bewusstsein?

Zur zweiten Punkt bzgl. des vollständige Verständnisses: Es gibt Fragen, die keine universelle Turingmaschine beantworten kann, insbs. das Halteproblem. Oder sagen wir es anders: Warum sollte das menschliche Gehirn in der Lage sein, jede Frage zum Gehirn zu beantworten bzw. jede Funktion des Gehirns zu verstehen? Oder noch anders: Betrachte ein normales NN zur Mustererkennung und erkläre mir, warum dieses NN bei diesem Bild als Input "Katze" sagt! Das kannst du nicht erklären, du kannst nur sagen, dass diese Antwort auf Basis des Inputs und der Gewichte produzierte wird. Verständnis von X hat viel damit zu tun, X auf etwas einfacheres als sich selbst zurückzuführen.

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Manuel_91



Anmeldungsdatum: 20.07.2024
Beiträge: 725

Beitrag Manuel_91 Verfasst am: 09. Okt 2024 18:03    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Die Frage, welche ich mir nun tatsächlich ernsthaft stelle, ist, warum so viele Modelle in den verschiedenen Fachbereichen zu diesem Thema (Bewusstsein)entwickelt werden, obwohl man diese Frage nicht wirklich beantworten kann.


Da bist du hier im falschen Forum. Was das Bewusstsein ist und wie es arbeitet kann man exakt untersuchen und beweisen, aber das ist extrem kompliziert und gehört zu den schwersten Fragen in der Philosophie. Wenn du dich damit ernsthaft befassen willst, dann lese mal die Fachliteratur dazu und stelle dann fachlich korrekte Fragen, so kann man die Frage nicht einmal beantworten. Es gibt übrigens nicht "das Bewusstsein". Psychologen oder Neurobiologen reden auch immer wieder mit, aber sie meinen eigentlich immer nur die Vigilanz. (Wachheit) Beginnen musst du bei der reinen Apperzeption. Aber diese Frage macht so isoliert überhaupt keinen Sinn, sie muss innerhalb einer vollständigen Untersuchung des Erkenntnisapparates erfolgen.

PS: Ob KIs etc. ein Bewusstsein haben, das wird sich nicht sicher klären lassen, das kann man nur vermuten oder eben ablehnen. Das Bewusstsein kann man nur untersuchen, wenn man schon davon ausgeht, dass eines vorhanden ist (bei Menschen, Tiere, Pflanzen). Dann kann man zeigen wie es funktionieren muss. Bei KIs kann man nur plausible Annahmen tätigen (ob nun eines vorhanden ist oder nicht). Einer geschlossenen logischen Untersuchung entzieht sich der Gegenstand. (Ich glaube nicht daran, aber das ist wie gesagt nur eine Vermutung).


Zuletzt bearbeitet von Manuel_91 am 09. Okt 2024 18:07, insgesamt einmal bearbeitet
TomS
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Anmeldungsdatum: 20.03.2009
Beiträge: 21468

Beitrag TomS Verfasst am: 09. Okt 2024 18:07    Titel: Antworten mit Zitat

Manuel_91 hat Folgendes geschrieben:
Zitat:
Die Frage, welche ich mir nun tatsächlich ernsthaft stelle, ist, warum so viele Modelle in den verschiedenen Fachbereichen zu diesem Thema (Bewusstsein)entwickelt werden, obwohl man diese Frage nicht wirklich beantworten kann.


Da bist du hier im falschen Forum. Was das Bewusstsein ist und wie es arbeitet kann man exakt untersuchen und beweisen, aber das ist extrem kompliziert und gehört zu den schwersten Fragen in der Philosophie.

Ui, erzähl, wer hat das Problem angeblich endgültig gelöst?

Ich empfehle

John Searle: Die Wiederentdeckung des Geistes
Thomas Nagel: Wie ist es, eine Fledermaus zu sein?

Danach sind die prinzipiell Grenzen des Verständnisses ziemlich klar.

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Zuletzt bearbeitet von TomS am 09. Okt 2024 18:33, insgesamt 2-mal bearbeitet
Manuel_91



Anmeldungsdatum: 20.07.2024
Beiträge: 725

Beitrag Manuel_91 Verfasst am: 09. Okt 2024 18:16    Titel: Antworten mit Zitat

Ich empfehle erstmal den kurzen Einleitungstext (den Text in dem Link, hab nur aus diesem zitiert):

Einleitend:

Zitat:
Das: Ich denke, muß alle meine Vorstellungen begleiten können; denn sonst würde etwas in mir vorgestellt werden, was gar nicht gedacht werden könnte, welches ebensoviel heißt als: die Vorstellung würde entweder unmöglich oder wenigstens für mich nichts sein.“ „Also hat alles Mannigfaltige der Anschauung eine notwendige Beziehung auf das: Ich denke, in demselben Subjekt, darin dieses Mannigfaltige angetroffen wird. Diese Vorstellung aber ist ein Aktus der Spontaneität, d. i. sie kann nicht als zur Sinnlichkeit gehörig angesehen werden. Ich nenne sie die reine Apperzeption, um sie von der empirischen zu unterscheiden, oder auch die ursprüngliche Apperzeption, weil sie dasjenige Selbstbewußtsein ist, was, indem es die Vorstellung Ich denke hervorbringt, die alle anderen muß begleiten können, und in allem Bewußtsein ein und dasselbe ist, von keiner weiter abgebildet werden kann.“


https://www.textlog.de/eisler/kant-lexikon/apperzeption-transzendentale

Kant hat diese Punkt schon klar rausgestrichen, die Erkenntnistheorie "hackt" an anderer Stelle, nämlich bei den Kategorien. Zudem hat er der Apperzeption noch eine Funktion zugesprochen, die sie nicht hat.
TomS
Moderator


Anmeldungsdatum: 20.03.2009
Beiträge: 21468

Beitrag TomS Verfasst am: 09. Okt 2024 18:27    Titel: Antworten mit Zitat

Ich bleibe bei meinen Empfehlungen, weil es klar und verständlich geschrieben ist.

https://www.reclam.de/data/media/978-3-15-019324-2.pdf

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DrStupid



Anmeldungsdatum: 07.10.2009
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Beitrag DrStupid Verfasst am: 09. Okt 2024 18:57    Titel: Antworten mit Zitat

TomS hat Folgendes geschrieben:
Wozu benötige ich virtuelle Materie? Ich benötige identische Funktionen, also Input/Output und Daten.


Dazu muss man aber wissen, welcher Input und Output relevant ist. Wenn man das nicht weiß, dann bleibt als Ultima Ratio die vollständige Simulation des kompletten Organismus und seiner Umgebung bis runter zu den Elementarteilchen.

TomS hat Folgendes geschrieben:
Betrachte ein normales NN zur Mustererkennung und erkläre mir, warum dieses NN bei diesem Bild als Input "Katze" sagt! Das kannst du nicht erklären, du kannst nur sagen, dass diese Antwort auf Basis des Inputs und der Gewichte produzierte wird.


Ganz so ahnungslos sind wir nicht. Die Entscheidungsfindung neuronaler Netze lässt sich analysieren und z.B. über Heatmaps visualisieren, die anzeigen, woran das Netz die Katze auf dem Bild erkannt hat.

TomS hat Folgendes geschrieben:
Verständnis von X hat viel damit zu tun, X auf etwas einfacheres als sich selbst zurückzuführen.


Darauf beruht der Durchbruch bei den großen Sprachmodellen. Der entscheidende Trick war so simpel wie wirkungsvoll: Man verringert in einem Perceptron die Anzahl mindestens einer inneren Schicht so weit, dass es die Informationen der Eingabeschicht unmöglich 1:1 auf die Ausgabeschicht abbilden kann. Die einzige Möglichkeit, trotzdem genug Informationen durch diesen Flaschenhals zu quetschen, um die Lernaufgbe zu bewältigen, besteht in einer Abstraktion der Information. Das ist der erste Schitt zum Verständnis.

Um beim Beispiel mit der Katze zu bleiben mehmen wir mal eine ganz simple Lernaufgabe: Gib für Bilder mit Katzen wieder Bilder mit Katzen aus, für Bilder mit Hunden Bilder mit Hunden usw. Das ist ganz simpel und kann von jedem hinreichend großen Perzeptron bewältigt werden. Wenn in das Netz aber der o.g. Flaschenhals eingebaut wird, dann muss der Teil des Netzes davor lernen, die Information des Eingansbildes auf ein Muster neuronaler Aktivitäten mit viel weniger Information zu reduzieren und der Teil danach, dieses Muster wieder in Bilder von Katzen, Hunden usw. zu verwandeln.

Das klingt bis hier hin noch nicht sonderlich sinnvoll. Das ändert sich aber, wenn man z.B. Texte auf Texte abbildet - und zwar nicht 1:1, sondern von einer Sprache in eine andere. Das Netz übersetzt dann z.B. englischen Input in eine interne Sprache, mit der die beiden Hälften vor und nach dem Flaschenhals miteinander "reden" und übersetzt ihn auf der anderen Seite z.B. ins Deutsche. Ohne den Flaschenhals funktioniert das nicht annähernd so gut, weil das Netzt dann nicht zur Abstraktion gezwungen ist.
Manuel_91



Anmeldungsdatum: 20.07.2024
Beiträge: 725

Beitrag Manuel_91 Verfasst am: 09. Okt 2024 19:54    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Ich bleibe bei meinen Empfehlungen, weil es klar und verständlich geschrieben ist.


Die Frage ist halt was verständlich heißt. In dem Text werden Fachbegriffe verwendet, die muss man halt lernen, wenn man sich dafür interessiert. Ist doch in der Physik, Biologie oder Medizin nichts anderes. Nehmen wir die Medizin mal, wenn da ein Arzt sagt: Die Tonuserhöhung lässt eher auf eine Spastik schließen, ein Rigor ist es nicht, aufgrund der klinischen Untersuchung. Dann ist das recht präzise für jemand, der die Begriffe kennt. Ich wüsste jetzt nicht, wie man das einfacher verständlich beschreiben können soll. Beim vereinfachen gehen schnell wichtige Punkte verloren, das merkte selbst Feynman mal an, dass man hier sehr aufpassen muss. Das ist eben der Unterschied zwischen einem Kant und den Poststrukturalisten, bei den PS wird man umso vernebelter, umso mehr man diesen Unsinn liest (weil die dauernd abstrakte Begriffe missbrauchen), bei echter Philosophie wird die Sache immer "lichter und klarer". Man muss die Begriffe dennoch lernen, so wie Latein.
TomS
Moderator


Anmeldungsdatum: 20.03.2009
Beiträge: 21468

Beitrag TomS Verfasst am: 09. Okt 2024 20:36    Titel: Antworten mit Zitat

DrStupid hat Folgendes geschrieben:
TomS hat Folgendes geschrieben:
Wozu benötige ich virtuelle Materie? Ich benötige identische Funktionen, also Input/Output und Daten.

Dazu muss man aber wissen, welcher Input und Output relevant ist. Wenn man das nicht weiß, dann bleibt als Ultima Ratio die vollständige Simulation des kompletten Organismus und seiner Umgebung bis runter zu den Elementarteilchen.

Stimmt.

DrStupid hat Folgendes geschrieben:
TomS hat Folgendes geschrieben:
Betrachte ein normales NN zur Mustererkennung und erkläre mir, warum dieses NN bei diesem Bild als Input "Katze" sagt! Das kannst du nicht erklären, du kannst nur sagen, dass diese Antwort auf Basis des Inputs und der Gewichte produzierte wird.

Ganz so ahnungslos sind wir nicht. Die Entscheidungsfindung neuronaler Netze lässt sich analysieren und z.B. über Heatmaps visualisieren, die anzeigen, woran das Netz die Katze auf dem Bild erkannt hat.

Stimmt, das ist aber keine Erklärung auf Fragen wie "woran hast du erkannt, dass …".

Danke für die Erklärung mit dem Flaschenhals und der Abstraktion, das ist interessant.

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Denkender
Gast





Beitrag Denkender Verfasst am: 09. Okt 2024 21:07    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Wozu benötige ich virtuelle Materie? Ich benötige identische Funktionen, also Input/Output und Daten


Die virtuelle Materie bezog sich auf die Diskussion mit DrStupid über den Steinwurf.
Als er meinte, durch die Simulation eines Steinwurfs würde virtuelle Materie entstehen....was ich halt nicht plausibel finde, da eine Simulation eines Steinwurfs nur Berechnungen sind.
Hier entsteht ja nicht eine irgendwie geartete virtuelle Materie auf der CPU des Rechners. Oder siehst du das anders?

Zitat:
Bzgl. Funktionen, Input/Output und Daten sind wir uns einig.

Aber welche Rolle spielt denn nun Form und Substanz der KNs? Stört es dich, dass das NN in Python programmiert ist? Soll es direkt im Chipdesign implementiert sein?


Hier habe ich schon öfters auch Meinungen von Forschern gelesen, die der Meinung waren, dass es direkt im Chipdesign implementiert sein sollte.
Ich denke, hier kommt es sehr wahrscheinlich auch auf die Verknüpfung der In-/Outputs an. Diese sind in einem klassischen Chip sicherlich anders verknüpft wie in einem biologischen NN.

Zitat:
Insbs. bzgl. Form und Substanz.

Ok, gehen wir mit meinem Ersetzungsprozess weiter und überführen wir anschließend das NN auf Basis der KNs sukzessive in NVIDIA GPUs. Dann stellen sich die selben Fragen.


Dafür bräuchten wir aber eine Menge an GPUs smile.
Aber klar, wenn das Bewusstsein wirklich nur von der Verknüpfung von Inputs/Outputs mit entsprechendem Zeitverhalten und Umgebungsinteraktion zusammenhängt, dann könntest du es vielleicht auch mit GPUs realisieren. Diese müssten halt entsprechend miteinander verknüpft und angeordnet sein usw.
Viele Fragen, die in Zukunft noch geklärt werden müssen bzw. ein paar, die halt prinzipiell nicht klärbar sind.
Aktuell geht man ja noch nicht davon aus, dass derzeitige KIs so etwas wie ein Bewusstsein haben...
TomS
Moderator


Anmeldungsdatum: 20.03.2009
Beiträge: 21468

Beitrag TomS Verfasst am: 09. Okt 2024 21:19    Titel: Antworten mit Zitat

Denkender hat Folgendes geschrieben:
Hier habe ich schon öfters auch Meinungen von Forschern gelesen, die der Meinung waren, dass es direkt im Chipdesign implementiert sein sollte.
Ich denke, hier kommt es sehr wahrscheinlich auch auf die Verknüpfung der In-/Outputs an. Diese sind in einem klassischen Chip sicherlich anders verknüpft wie in einem biologischen NN.

Das ist nur eine Frage der Effizienz. Es wäre natürlich ein Performance-Vorteil, wenn das Chip-Design direkt dem NN entspräche. Allerdings gibt es nicht "das" NN; man muss da schon flexibel sein.

Denkender hat Folgendes geschrieben:
Aber klar, wenn das Bewusstsein wirklich nur von der Verknüpfung von Inputs/Outputs mit entsprechendem Zeitverhalten und Umgebungsinteraktion zusammenhängt, dann könntest du es vielleicht auch mit GPUs realisieren. Diese müssten halt entsprechend miteinander verknüpft und angeordnet sein usw.

Genau.

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DrStupid



Anmeldungsdatum: 07.10.2009
Beiträge: 5740

Beitrag DrStupid Verfasst am: 09. Okt 2024 23:18    Titel: Antworten mit Zitat

Denkender hat Folgendes geschrieben:
Ich denke, hier kommt es sehr wahrscheinlich auch auf die Verknüpfung der In-/Outputs an. Diese sind in einem klassischen Chip sicherlich anders verknüpft wie in einem biologischen NN.


Nein, die Verknüfungen in den Netzen von KIs sind denen in Gehirnen einfacher Organismen erstaunlich ähnlich. Erstaunlich deshalb, weil diese Netzarchitekturen entwickelt wurden, bevor die natürlichen Konnektome bekannt waren. Diese Konvergenz deutet darauf hin, dass wir hier auf dem richtigen Weg sind.
DrStupid



Anmeldungsdatum: 07.10.2009
Beiträge: 5740

Beitrag DrStupid Verfasst am: 09. Okt 2024 23:31    Titel: Antworten mit Zitat

TomS hat Folgendes geschrieben:
Es wäre natürlich ein Performance-Vorteil, wenn das Chip-Design direkt dem NN entspräche.


Ja, aber das hat den Nachteil, dass die Netzarchitektur fest steht. Für Spezialanwendungen mit einfachen Architekturen (wie z.B. Perceptrone) ist das sinnvoll. Aber auf dem Weg zur allgemeinen künstlichen Intelligenz setzt man besser auf softwarebasierte Lösungen um hinreichend flexibel zu bleiben. Im menschlichen Gehirn gibt es über 3000 verschiedene Typen von Neuronen, die auf unterschiedlichste Weise miteinander verdrahtet sind. Es erscheint mir nicht sonderlich zielführend, sowas mit Hardware nachbauen zu wollen.
Denkender
Gast





Beitrag Denkender Verfasst am: 10. Okt 2024 01:10    Titel: Antworten mit Zitat

Bevor ich mich aus der Diskussion verabschiede, noch eine Frage:

Wie meinst du, entsteht virtuelle Materie, wenn ich einen Steinwurf im Rechner simuliere?
Das habe ich immer noch nicht verstanden, was du damit meinst. Denn für mich bleibt so eine Simulation nichts weiter wie die rechnerbasierte Lösung von Gleichungen.
karlernst
Gast





Beitrag karlernst Verfasst am: 10. Okt 2024 03:33    Titel: Antworten mit Zitat

Wenn eine KI also ein Bewusstsein haben soll dann müssten ja im umkehrrschluss wir Bio Einheiten ja alle Mathematik Genies sein.
Es gibt Menschen die haben einen schweren Unfall und können danach Klavier spielen wie die Meister, wenn ein Computer einen schwere Unfall hat is der einfach nur kaputt.
DrStupid



Anmeldungsdatum: 07.10.2009
Beiträge: 5740

Beitrag DrStupid Verfasst am: 10. Okt 2024 08:21    Titel: Antworten mit Zitat

Denkender hat Folgendes geschrieben:
Wie meinst du, entsteht virtuelle Materie, wenn ich einen Steinwurf im Rechner simuliere?


Indem Du jedes einzelne Elementarteilchen des Steins in der virtuellen Umgebung nachbildest.
Denkender
Gast





Beitrag Denkender Verfasst am: 10. Okt 2024 09:55    Titel: Antworten mit Zitat

Aber dabei entsteht kein "neues Teilchen". Du lässt nur vom Computer Gleichungen lösen, die das Verhalten von Elementarteilchen beschreiben.
TomS
Moderator


Anmeldungsdatum: 20.03.2009
Beiträge: 21468

Beitrag TomS Verfasst am: 10. Okt 2024 10:02    Titel: Antworten mit Zitat

Denkender hat Folgendes geschrieben:
Aber dabei entsteht kein "neues Teilchen". Du lässt nur vom Computer Gleichungen lösen, die das Verhalten von Elementarteilchen beschreiben.

Korrekt, aber das passt perfekt zum Fall des Bewusstseins.

Du lässt das Gehirn Inputs in Outputs verwandeln und dabei gewisse interne Paramater aktualisieren => Motorik, Klavierspielen ... Bewusstsein

Du lässt einen Roboter Inputs in Outputs verwandeln und dabei gewisse interne Paramater aktualisieren => Motorik, Klavierspielen ... Bewusstsein

Was spricht gegen letzteres?
Denkender
Gast





Beitrag Denkender Verfasst am: 10. Okt 2024 10:24    Titel: Antworten mit Zitat

Immernoch nichts, ich hatte nie die Intention, es komplett in Abrede zu stellen. Ich habe mir halt Gedanken gemacht über das Thema und Unterschiede, die aktuell zu biologischen Systemen bestehen. Und habe deshalb halt etwas Zweifel. Das sollte doch nichts verwerfliches sein.
Ich halte nur unsere aktuellen KI Systeme nicht für bewusst....wie sich die Informatik in 10,20 oder 30 Jahren gewandelt hat und was daraus wird, werden wir sehen. Wie gesagt, beweisen kann man in diesem Bereich eh nichts, eher plausibilisieren.

Mir ging es halt zum Schluss nur darum, dass bei einer ganz normalen herkömmlichen Simulation keine "magischen" Dinge geschehen.
TomS
Moderator


Anmeldungsdatum: 20.03.2009
Beiträge: 21468

Beitrag TomS Verfasst am: 10. Okt 2024 11:13    Titel: Antworten mit Zitat

Denkender hat Folgendes geschrieben:
Immernoch nichts, ich hatte nie die Intention, es komplett in Abrede zu stellen.

So hatte ich dich auch nicht verstanden.

Denkender hat Folgendes geschrieben:
Ich habe mir halt Gedanken gemacht über das Thema und Unterschiede, die aktuell zu biologischen Systemen bestehen. Und habe deshalb halt etwas Zweifel. Das sollte doch nichts verwerfliches sein.

Es ist auch nicht verwerflich.

Denkender hat Folgendes geschrieben:
Ich halte nur unsere aktuellen KI Systeme nicht für bewusst .

Ich auch nicht.

Denkender hat Folgendes geschrieben:
Wie gesagt, beweisen kann man in diesem Bereich eh nichts, eher plausibilisieren.

Richtig.

Denkender hat Folgendes geschrieben:
Mir ging es halt zum Schluss nur darum, dass bei einer ganz normalen herkömmlichen Simulation keine "magischen" Dinge geschehen.

Klar. Und mir geht es umgekehrt darum, dass bei einer ganz normalen Simulation Dinge geschehen können, gerade weil sie nicht magisch sind.

Ich will deinen Zweifel nur hinterfragen: aus welchen rationalen Gründen zweifelst du an bewussten Prozessen in herkömmlichen Computern?

Außer dem Unterschied "Biologie vs. Silizium" kam da noch nichts. Wenn dir nicht mehr einfällt, solltest du mal darüber nachdenken, ob deine Zweifel tatsächlich berechtigt sind. Ich fordere dich nicht auf, an bewusste Computer bzw. Software zu glauben. Ich fordere dich nur auf, dies ernsthaft in Erwägung zu ziehen, solange du keine stichhaltigen Gegenargumente hast.

Ich glaube übrigens nicht – siehe auch weiter oben – dass diese Argumente pro bzw. contra Bewusstsein letztlich zu einer Beantwortung der Frage führen, ich glaube aber daran, dass wir zu dem Punkt gelangen können, an dem wir recht gut verstehen, warum sich diese Frage unserem Verständnis und daher einer tatsächlichen Beantwortung – also nicht Glaube oder Metaphysik – entzieht.
DrStupid



Anmeldungsdatum: 07.10.2009
Beiträge: 5740

Beitrag DrStupid Verfasst am: 10. Okt 2024 13:24    Titel: Antworten mit Zitat

Denkender hat Folgendes geschrieben:
Aber dabei entsteht kein "neues Teilchen".


Das kommt darauf an, wen Du fragst. Für einen Beobachter in der virtuellen Welt entsteht ein neues Teilchen. Aber das hatten wir schon. Wir fangen an, uns im Kreis zu drehen.
DrStupid



Anmeldungsdatum: 07.10.2009
Beiträge: 5740

Beitrag DrStupid Verfasst am: 10. Okt 2024 13:29    Titel: Antworten mit Zitat

TomS hat Folgendes geschrieben:
ich glaube aber daran, dass wir zu dem Punkt gelangen können, an dem wir recht gut verstehen, warum sich diese Frage unserem Verständnis und daher einer tatsächlichen Beantwortung – also nicht Glaube oder Metaphysik – entzieht.


Dann können wir aber auch an einen Punkt kommen, an dem wir aus ethischen Gründen einfach annehmen müssen, dass eine KI Bewusstsein besitzt.
TomS
Moderator


Anmeldungsdatum: 20.03.2009
Beiträge: 21468

Beitrag TomS Verfasst am: 10. Okt 2024 13:42    Titel: Antworten mit Zitat

DrStupid hat Folgendes geschrieben:
TomS hat Folgendes geschrieben:
ich glaube aber daran, dass wir zu dem Punkt gelangen können, an dem wir recht gut verstehen, warum sich diese Frage unserem Verständnis und daher einer tatsächlichen Beantwortung – also nicht Glaube oder Metaphysik – entzieht.


Dann können wir aber auch an einen Punkt kommen, an dem wir aus ethischen Gründen einfach annehmen müssen, dass eine KI Bewusstsein besitzt.

Du meinst, wir kommen aus anderen Gründen zu der Erkenntnis, dass es naheliegend ist, dass einer KI ab einer gewissen Mächtigkeit ein Bewusstsein zukommt, oder andersherum, wir sehen keinen Grund, dies sicher ausschließen zu können. Ja, spätestens jetzt sollten wir uns die Frage stellen, welche ethischen Konsequenzen dies für uns als Erbauer der KI hat.

https://www.riffreporter.de/de/technik/kuenstliche-intelligenz-chatgpt-turing-test-gehirnforschung-bewusstsein-chalmers
https://www.riffreporter.de/de/technik/kuenstliche-intelligenz-chatgpt-blake-lemoine-google-lambda-bewusstein

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Zuletzt bearbeitet von TomS am 10. Okt 2024 13:53, insgesamt einmal bearbeitet
MBastieK



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Beitrag MBastieK Verfasst am: 10. Okt 2024 13:52    Titel: Antworten mit Zitat

DrStupid hat Folgendes geschrieben:
Das kommt darauf an, wen Du fragst. Für einen Beobachter in der virtuellen Welt entsteht ein neues Teilchen. Aber das hatten wir schon. Wir fangen an, uns im Kreis zu drehen.

Man kann auch in der übergeordnetet Welt (nicht-virtuell) ein paar Bits ändern im Register, der für die Geschwindigkeit eines Masse-Objektes zugeordnet ist, und so die Geschwindigkeit des Masse-Objekt um viele Grössen-Ordnungen erhöhen, und so den Energie-Erhaltungs-Satz übergehen, d.h. neue Energie zuführen in der virtuellen Welt.

Kostet nur wenige Bit an Energie (Informations-Energie-Äquivalenz) in der übergeordneten Welt, während man in der virtuellen Welt urplötzlich aus dem Nichts eine sehr hohe Menge an neuer Energie hat.

Vielleicht kann man so eine Unterscheidung zwischen virtueller Welt und übergeordneter("reeler") Welt tätigen, d.h. der virtuellen Welt eine gewisse Nicht-Echtheit zuordnen.

Nette Grüsse
DrStupid



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Beitrag DrStupid Verfasst am: 10. Okt 2024 14:10    Titel: Antworten mit Zitat

MBastieK hat Folgendes geschrieben:
Vielleicht kann man so eine Unterscheidung zwischen virtueller Welt und übergeordneter("reeler") Welt tätigen, d.h. der virtuellen Welt eine gewisse Nicht-Echtheit zuordnen.


Es dürfte schwer fallen, so einen Cheat innerhalb der virtuellen Welt von einem noch unbekannten Naturgesetz zu unterscheiden. Um zu erkennen, dass man in einer Simulation lebt, müsste schon mehr passieren - z.B. ein Szenario wie in "Welt am Draht".
TomS
Moderator


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Beitrag TomS Verfasst am: 10. Okt 2024 14:18    Titel: Antworten mit Zitat

MBastieK hat Folgendes geschrieben:
Vielleicht kann man so eine Unterscheidung zwischen virtueller Welt und übergeordneter("reeler") Welt tätigen, d.h. der virtuellen Welt eine gewisse Nicht-Echtheit zuordnen.

Das funktioniert aber nicht aus der Perspektive der möglicherweise virtuellen Welt, da man dort dieses Experiment schlichtweg nicht initiieren und durchführen kann.

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MBastieK



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Beitrag MBastieK Verfasst am: 10. Okt 2024 14:20    Titel: Antworten mit Zitat

TomS hat Folgendes geschrieben:
Das funktioniert aber nicht aus der Perspektive der möglicherweise virtuellen Welt, da man dort dieses Experiment schlichtweg nicht initiieren und durchführen kann.

Sie meinen die Manipualtion des Registers?

Nette Grüsse
TomS
Moderator


Anmeldungsdatum: 20.03.2009
Beiträge: 21468

Beitrag TomS Verfasst am: 10. Okt 2024 14:24    Titel: Antworten mit Zitat

Genau.
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TomS
Moderator


Anmeldungsdatum: 20.03.2009
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Beitrag TomS Verfasst am: 10. Okt 2024 14:25    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, genau.
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Denkender
Gast





Beitrag Denkender Verfasst am: 10. Okt 2024 14:38    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Das kommt darauf an, wen Du fragst. Für einen Beobachter in der virtuellen Welt entsteht ein neues Teilchen. Aber das hatten wir schon. Wir fangen an, uns im Kreis zu drehen.


Vielleicht beginne ich so langsam, dich zu verstehen. Bin mir aber noch unsicher.
Du meinst dann also, dass für den Programmierer kein neues Teilchen entsteht, korrekt?

Und der virtuelle Beobachtet ist dann zb ein hypothetischer Chip, der so etwas wie Bewusstsein hat? Diesem wird dann in einem Programm ein entsprechender Input gegeben, den er zb als Stein interpretieren soll?


@TomS:
Zitat:
Ich will deinen Zweifel nur hinterfragen: aus welchen rationalen Gründen zweifelst du an bewussten Prozessen in herkömmlichen Computern?

Außer dem Unterschied "Biologie vs. Silizium" kam da noch nichts. Wenn dir nicht mehr einfällt, solltest du mal darüber nachdenken, ob deine Zweifel tatsächlich berechtigt sind. Ich fordere dich nicht auf, an bewusste Computer bzw. Software zu glauben. Ich fordere dich nur auf, dies ernsthaft in Erwägung zu ziehen, solange du keine stichhaltigen Gegenargumente hast.


Ja, wie gesagt, ich ziehe es ja sogar in Erwägung, allerdings nicht mit dem aktuellen Stand der Technik. Der war meine Grundlage. Oder siehst du dies schon aktuell alles realisiert? Ich vermute doch auch mal nein.
MBastieK



Anmeldungsdatum: 06.10.2012
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Wohnort: Berlin-Wedding

Beitrag MBastieK Verfasst am: 10. Okt 2024 14:48    Titel: Antworten mit Zitat

TomS hat Folgendes geschrieben:
MBastieK hat Folgendes geschrieben:
Vielleicht kann man so eine Unterscheidung zwischen virtueller Welt und übergeordneter("reeler") Welt tätigen, d.h. der virtuellen Welt eine gewisse Nicht-Echtheit zuordnen.

Das funktioniert aber nicht aus der Perspektive der möglicherweise virtuellen Welt, da man dort dieses Experiment schlichtweg nicht initiieren und durchführen kann.

Ja.
Ich wollte halt darauf hinaus, dass die virtuelle Welt eventuell etwas weniger einen Anspruch an Realität hat, als DrStupid ihr zusprechen will. Ein berechneter Stein(-Wurf) ist halt nicht vollständig gleichzusetzen mit einem Stein aus der übergeordneten Welt. Selbst wenn man alle physikalischen Parameter & subatomaren Objekte mitsimuliert, kommt aus Gesamtsicht dieser Faktor der Manipulierbarkeit hinzu, was das Gleichsetzen aufhebt.

Nette Grüsse
TomS
Moderator


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Beitrag TomS Verfasst am: 10. Okt 2024 14:55    Titel: Antworten mit Zitat

Denkender hat Folgendes geschrieben:
Und der virtuelle Beobachtet ist dann zb ein hypothetischer Chip, der so etwas wie Bewusstsein hat? Diesem wird dann in einem Programm ein entsprechender Input gegeben, den er zb als Stein interpretieren soll?

In der virtuellen Welt – z.B. in der Form von vielen Prozessen auf einer Multi-Core-CPU – hättest du
1. ein neuronales Netz mit Input und Output, wobei
2. dessen Input mittels Raytracing berechnet wird, und wobei
3. dafür die Simulation eines Stein entlang einer Wurfparabel verwendet wird.

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Niels Bohr brainwashed a whole generation of theorists into thinking that the job (interpreting quantum theory) was done 50 years ago.
DrStupid



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Beitrag DrStupid Verfasst am: 10. Okt 2024 15:19    Titel: Antworten mit Zitat

Denkender hat Folgendes geschrieben:
Du meinst dann also, dass für den Programmierer kein neues Teilchen entsteht, korrekt?


Das kommt darauf an, was Du damit meinst. In der realen Welt entsteht natürlich kein Teilchen, aber in der virtuellen Welt schon.

Wenn Du beispielsweise in Minecraft im God Mode ein Sandblock erzeugst und in die Gegend setzt, dann ist der dort entstanden. Vorher war er nicht da und danach ist er es. Du kannst ihn sehen und darauf klettern und alle anderen Spieler in dieser Welt können das auch. Mehr als diese unabhängig reprodizierbare experimentelle Beobachtbarkeit fordert die Naturwissenschaft in der realen Welt auch nicht. Tatsächlich ist der Block nicht einfach nur da, sondern er folgt auch der Minecraft-Physik. Wenn Du beispielsweise einen Block darunter entfernst, dann wird er herunter fallen.

Aber das ist noch nicht alles. In vielen Computerspielen kann man virtuelle Objekte sogar für reales Geld kaufen und verkaufen. Und wenn man sich an die Gesetze hält, dann muss man dafür sogar reale Steuern zahlen. Der Fiskus macht keinen Unterschied zwischen Geschäften mit realen und virtuellen Waren. Damit verschwimmen die Grenzen zwischen virtueller und realer Welt.

Jetzt musst Du Dir nur noch eine virtuelle Welt vorstellen, die der realen Welt bis ins kleinste Detail gleicht. Dann ist es unerheblich, ob Du einen Stein dort oder in der realen Welt fliegen lässt. In der virtuellen Welt gibt es keine Möglichkeit mehr, beides zu unterscheiden. Und das gilt nicht nur für Steine. Dort ist alles möglich, was es in der realen Welt gibt - einschließlich Gehirnen mit Bewusstsein.

Die Frage ist natürlich, ob eine solche Simulation prinzipiell möglich ist. Das ist aber gleichbedeutend mit der Frage, ob die Welt in der wir leben erkenbar und theoretisch beschreibbar ist. Die Naturwissenschaft geht bis auf Weiteres davon aus, dass wir dazu in der Lage sind. Andernfalls hätten wir ein noch viel grundsätzlicheres Problem als KIs mit oder ohne Bewusstsein.
Denkender
Gast





Beitrag Denkender Verfasst am: 10. Okt 2024 16:55    Titel: Antworten mit Zitat

Okay, jetzt verstehe ich besser, was du meinst.

Um so etwas bis ins kleinste Detail zu ermöglichen, müssten wir natürlich auch die Physik der realen Welt vollständig kennen. Das werden wir laut Popper natürlich nie wissen können, ob wir auf dem Stand sind. Allerdings können wir auch ohne die Vollständigkeit der Physik natürlich wichtige Aspekte darstellen.
Was natürlich ein Punkt ist, ist, dass wir immer nur Teilsysteme darstellen könnten. Denn ich denke, dass wir nicht alles abbilden könnten, da wir prinzipiell nie alle Randbedingungen kennen und natürlich auch die Rechner Kapazität ein Limit darstellt.
Was mir auch noch dazu aufgefallen ist, ist, dass wir ja mit den entsprechenden implementierten Gleichungen noch gar nicht wissen, ob diese die Realität komplett beschreiben, oder ob diese nur die Phänomene wiedergeben (siehe die Diskussionen zur Qm; Realismus vs Instrumentalismus). Inwieweit dies Auswirkungen hätte, müsste ich mal überlegen.

Generell sehe ich aber keine Probleme für die Physik, wenn es nicht möglich sein sollte, Simulationen der Welt (mit oder ohne Bewusstsein) bis ins kleinste Detail zu erstellen.
DrStupid



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Beitrag DrStupid Verfasst am: 10. Okt 2024 17:22    Titel: Antworten mit Zitat

Denkender hat Folgendes geschrieben:
Generell sehe ich aber keine Probleme für die Physik, wenn es nicht möglich sein sollte, Simulationen der Welt (mit oder ohne Bewusstsein) bis ins kleinste Detail zu erstellen.


Praktisch vielleicht nicht, aber prinzipiell schon. Wie sagte Richard Feynman so schön: "What I cannot create, I do not understand"
antaris



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Beitrag antaris Verfasst am: 10. Okt 2024 18:03    Titel: Antworten mit Zitat

Irgendwwie liest sich die Diskussion, als würde es nur zwei Möglichkeiten geben (hat Bewusstsein, hat kein Bewussstsein). Ich glaube ganz und gar nicht, dass es nur schwarz und weiß gibt, sondern ganz viele Farben dazwischen. Bewusstsein ist eine evolutionäre Entwicklung und warum sollte die Evolution bei uns am Ende sein?

Ich würde es für möglich halten, dass mittels Vernetzung, KI und Augmentierung das subjektive menschliche Bewusstein irgendwann zu einem kollektiven Bewusstsein verbunden werden kann. Genauso wie mittels Medizin der Evolution ein Schnippchen schlägt, so könnte unsere eigene Technologie die (unsere) biologische Evolution irgendwann komplett ersetzen.

Die Fragestellung insgesamt ist sehr interessant. Früher glaubte ich, dass unser Körper einer Maschine gleicht und wenn wir sterben, diese einfach nur "kaputt" ist und danach das "Ich" nicht mehr existiert. Sollte das menschliche Bewusstsein tatsächlich mit Technologie vollständig nachgebildet werden können, das Verhalten der Technologie also ununterscheidbar des unseren sein, dann müsste ich wohl wieder zu meinem früheren Glauben zurückkehren. Ich glaube heute aber, dass dies nicht der Fall ist.

Meiner Meinung nach gehört zum Bewusstsein, dass es sich zeitlich entwickelt. Das Bewusstsein einer höher entwickelten Spezies ändert (bzw. erweitert) sich durch die gesammelte Erfahrung, im zeitlichen Verlauf.
Was ist mit Krankheiten des Bewusstseins? Können Technologien Amnesien oder Depressionen erleiden? Sollte eine "bewusste" Technologie also z.B. auch krank werden können?
Daneben gehört zu einem Bewusstsein auch Schlaf und Träume, die dazu dienen erlebtes zu verarbeiten (und den Körper zu erholen, was hier aber zweitrangig ist). Wir wissen, dass Schlafentzug das Bewusstsein (und die Gesundheit) schwer in Mitleidenschaft zieht. Was genau beim Schlaf und beim träumen geschieht und warum die Evolution diese Notwendigkeit entwickelt hat weiß keiner genau.




DrStupid hat Folgendes geschrieben:
Wie sagte Richard Feynman so schön: "What I cannot create, I do not understand"


Das ist der Knackpunkt! Es liegt in unserer Natur lange nicht alles verstehen zu können. Aber nicht weil die Meschheit zu doof ist, sondern weil es unmöglich ist alle detaillierten Informationen zu erhalten, die dafür benötigt werden.

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Denkender
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Beitrag Denkender Verfasst am: 10. Okt 2024 20:41    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Praktisch vielleicht nicht, aber prinzipiell schon. Wie sagte Richard Feynman so schön: "What I cannot create, I do not understand"


Ich sehe da auch prinzipiell kein Problem. Wenn man es ganz einfach ansetzt, soll die Physik berechenbare Phänomene vorhersagen. Und das klappt wunderbar, auch ohne solch hypothetischen Simulationen
DrStupid



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Beitrag DrStupid Verfasst am: 10. Okt 2024 23:04    Titel: Antworten mit Zitat

Denkender hat Folgendes geschrieben:
Wenn man es ganz einfach ansetzt, soll die Physik berechenbare Phänomene vorhersagen. Und das klappt wunderbar, auch ohne solch hypothetischen Simulationen


Das verstehe ich nicht. Die Simulation ist doch nichts anderes als die Voraussage berechenbarer Phänomene.
Denkender
Gast





Beitrag Denkender Verfasst am: 11. Okt 2024 05:50    Titel: Antworten mit Zitat

So gesehen ja.

Ich sehe das so, mal unabhängig davon ob wir Bewusstsein auf Chips erschaffen können oder nicht: wir können immer wenn immer nur einen kleinen Teil der Welt simulieren. Wir können nie hinreichend genau alle Start- und Randbedingungen bestimmen, wenn das System so extrem groß werden soll. Irgendwann wird auch sicherlich eine Grenze erreicht werden, bei dem die Rechnerbauteile nicht mehr kleiner werden können und auch das Moorsche Gesetz wird wackeln. Dann können wir womöglich schon auf Grundlage dessen keine sehr großen Simulationen durchzuführen. Die Erde 1:1 abzubilden, sollte deshalb vermutlich kaum möglich.
DrStupid



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Beiträge: 5740

Beitrag DrStupid Verfasst am: 11. Okt 2024 08:26    Titel: Antworten mit Zitat

Denkender hat Folgendes geschrieben:
wir können immer wenn immer nur einen kleinen Teil der Welt simulieren.


Das ist kein Problem. Die Wostok 1 mit Juri Gagarin in einem ansonsten leeren Universum würde völlig genügen.

Denkender hat Folgendes geschrieben:
Wir können nie hinreichend genau alle Start- und Randbedingungen bestimmen, wenn das System so extrem groß werden soll.


Weißt Du welche Start- und Randbedingungen notwendig wären? Wenn ja, welche sind das? Wenn nicht, woher weißt Du dann, dass wir sie nie hinreichend genau bestimmen können?

Denkender hat Folgendes geschrieben:
Irgendwann wird auch sicherlich eine Grenze erreicht werden, bei dem die Rechnerbauteile nicht mehr kleiner werden können und auch das Moorsche Gesetz wird wackeln.


Davon abgesehen, dass man am Ende der Miniaturisierung immer noch die Rechner größer machen kann, geht es bei der Berechenbarkeit nicht unbedingt um eine praktische Umsetzung. Dass man einen Supercomputer durch eine Turingmaschine ersetzen kann, heißt nicht, dass wirklich jemand mit Papier und Bleistift die Milennium-Simulation durchführen soll. Es ist lediglich bewiesen, dass das prinzipiell geht.
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